Die 1870er- und 1880er-Jahre

Der Anfang

Wir schreiben das Jahr 1877. In Heilbronn, nördlich von Stuttgart, verändert die Mechanisierung der Betriebe eine ganze Region - Hier steht das Zentrum der deutschen Papier- und Zwirnindustrie, sogar „das schwäbische Liverpool“ wird die Stadt hin und wieder scherzhaft genannt.

Etwas nördlich der Stadtmitte liegt die Nicolaikirche. Auf ihrem „Kirchhöfle“ genannten Vorplatz spenden knorrige Linden Schatten, neben einem kleinen Brunnen toben spielende Kinder. In Hausnummer 7 sitzt Gustav Ziegler, Besitzer des Großhandels für Papier-, Schreib- und Kurzwaren. Am 1. Mai trifft Ziegler eine zukunftsweisende Entscheidung: Er verkauft sein Unternehmen an die Außendienstmitarbeiter Julius Baier und Andreas Schneider - dies ist der Grundstein für die bis heute andauernde Firmengeschichte von Baier & Schneider.

Die neuen Firmeninhaber besuchen 1880 die Stuttgarter Gewerbeausstellung und lernen dort eine bahnbrechende Erfindung kennen: Die erste Rollenliniermaschine für Papier. Kurz entschlossen kaufen sie zwei dieser Maschinen und entwickeln die ursprüngliche Papiergroßhandlung zu einem Papier verarbeitenden Unternehmen weiter.

1871 Deutsche Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles
1877 Die Gründer Julius Baier und Andreas Schneider


1890er- und 1910er-Jahre

Jahrhundertwende

Das Zeitalter der Marken beginnt: In den Kaufläden werden an der Schwelle zum neuen Jahrhundert wiedererkennbare Produkte immer wichtiger. Auch wir führen 1894 ein Firmenzeichen ein, Anfang 1903 lassen wir uns das Warenzeichen "BRUNNEN" mit dem "H" - das für den Anfangsbuchstaben des Standortes Heilbronn steht - schützen.

Währenddessen wächst und gedeiht das Unternehmen: An der Wollhausstraße, schon außerhalb der Stadt im Gewerbegebiet, entsteht 1893 ein Neubau, in dem erstmals Kontor, Druckerei und Buchbinderei unter einem Dach Platz finden. Bis zum heutigen Tag stehen hier unsere Verwaltung und die Produktion. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir inzwischen mitten in der Stadt angesiedelt sind.

Doch die Lage vieler einfacher Leute in diesen Jahren ist schlecht. Die bismarckschen Sozialgesetze aus den 1880er-Jahren verbessern die Situation nur langsam, viele Menschen müssen pro Jahr rund doppelt so viele Stunden arbeiten wie heutzutage. Baier & Schneider reagiert früh und führt für die Mitarbeiter 1899 eine der ersten Firmenpensionskassen überhaupt ein. Vier Jahre später gründen die Geschäftsführer eine Betriebskrankenkasse und erlauben den Mitarbeitern bezahlten Urlaub.

 

1815-1898 Otto Fürst von Bismark schafft die Grundlagen der Sozialversicherung in Deutschland
1914 BRUNNEN Netto-Liste

 

1910er-Jahre und die Goldenen Zwanziger

 

Krieg und Aufbruch

 

 

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebt Deutschland die Goldenen Zwanziger. Kunst, Kultur und Wissenschaft stehen in voller Blüte, Thomas Mann erhält für "Die Buddenbrooks" den Literaturnobelpreis. Auch wir haben etwas zu feiern: 1927 erlebt Baier & Schneider bereits sein 50-jähriges Firmenjubiläum. Unsere Marke BRUNNEN ist fest etabliert, vor allem Geschäfts- und Notizbücher sorgen dafür, dass die ehemalige Papiergroßhandlung bereits einen Umsatz von 2,6 Millionen Mark pro Jahr erzielt.

Doch die Zeiten werden turbulenter: Gegen Ende des Jahrzehnts erlebt die Welt eine Wirtschaftskrise, die auch an Heilbronn nicht spurlos vorbeigeht. Beinahe täglich werden in unserem Haus neue Preislisten gedruckt.

 

 

 

1925 Weihnachtswerbeplakat von Baier & Schneider
1875-1955 Thomas Mann erhält 1929 den Nobelpreis für Literatur

 

Die 1930er- und 1940er-Jahre

 

Düstere Jahre

Dunkle Zeiten brechen herein: Die Nationalsozialisten errichten das „Dritte Reich“, und Deutschland zieht in den Krieg. Zum Zeitpunkt der Kapitulation 1945 ist auch die Stadt Heilbronn stark getroffen. So wird der Unternehmensstandort von Baier & Schneider am 4. Dezember 1944 bei einem Luftangriff fast völlig zerstört. Um den Betrieb nach Kriegsende wieder aufzunehmen, muss ganz von vorne begonnen werden.

Andreas Schneider, der Enkel des Firmengründers, baut mit anfangs gerade einmal 20 Mitarbeitern den Standort wieder neu auf. Sie produzieren zeitweise in einer alten Kaserne. Die Rohstoffe müssen sie in diesen "Zeiten des Mangels" auf teils abenteuerliche Weise organisieren.

 

1945 Sir Winston Leonard Spencer-Churchill bei der Bekanntgabe des Kriegsendes am 8.Mai 1945
um 1950 Der BRUNNEN Block

 

Die 1950er- und 1960er-Jahre

 

Wirtschaftswunder und 68er

Deutschland wird 1954 Fußballweltmeister, das Reisefieber bricht aus und die Wirtschaft erlebt ein echtes Wunder. Normalität hält wieder Einzug in den Alltag. Millionen Menschen schreiben in unsere Kladden ihre schönsten Reiseerinnerungen oder organisieren ihren Betrieb mit BRUNNEN Geschäftsbüchern. Die enorme Nachfrage nach Papierprodukten ist im ganzen Land zu spüren. Im Jahre 1952 feiern bereits wieder 300 Mitarbeiter das 75-jährige Firmenjubiläum.

In den Folgejahren beherrscht immer mehr Werbung die Zeitungen, Geschäfte und Städte. Natürlich sticht für uns ein Symbol - der BRUNNEN - besonders heraus: Ende der 1960er-Jahre entsteht die Wort-Bild-Marke mit dem weißen Schriftzug auf rotem Grund. Sie zählt bis heute zu den bekanntesten Marken Deutschlands.

Ende der 1960er-Jahre erhebt sich weltweit die Studentenbewegung und krempelt die Gesellschaft um. In Bolivien stirbt 1967 eine Politikone und einer der berühmtesten Besitzer eines BRUNNEN Kalenders: Che Guevara.

1954 Deutschland gewinnt die Fußballweltmeisterschaft in Bern

 

Die 1970er- und 1980er-Jahre

Die Ölkrise und Zeitenwende

Die Welt wird bunt: Hippiebewegung und Disco-Welle, Olympia in München und die erste Fußball-WM in Deutschland. Wir setzen in diesen turbulenten Jahren weiter auf Konstanz und partnerschaftlichen Umgang mit den Fachhändlern. Zum 100-jährigen Bestehen unserer Firma 1977 arbeiten allein im Außendienst in Deutschland und Österreich 30 Mitarbeiter. Mit ihnen erzielen wir einen Umsatz von 43 Millionen Mark.

In den 1980er-Jahren nähert sich der Kalte Krieg seinem Ende. Schließlich ist es so weit: Der Eiserne Vorhang fällt, in Deutschland werden Ost und West wiedervereint. Wie für viele andere Westunternehmen entstehen auch für uns in den neuen Bundesländern und in Osteuropa neue Märkte: Erstmals erzielen wir mehr als 100 Millionen DM Umsatz. Um für die Herausforderungen der neuen Zeit gerüstet zu sein, nehmen wir den ersten Bauabschnitt eines neuen Logistikzentrums in Angriff.

1972 Briefmarkenedition zur Olympiade 1972 in München
1988 Inzwischen ein Klassiker: der BRUNNEN Spiralblock

 

Die 1990er- und 2000er-Jahre

 

Globalisierung und Internet

 

 

Die Welt wird zum Dorf. Das Internet hält in vielen Haushalten Einzug und sorgt dafür, dass Menschen überall auf der Erde innerhalb von Sekunden miteinander kommunizieren können. Die Globalisierung mit ihrem Wunsch nach immer schneller verfügbaren Produkten stellt auch unsere Logistik vor neue Herausforderungen. Anfang der 1990er-Jahre nehmen wir unser vollautomatisches Hochlager mit 16.500 Palettenplätzen in Betrieb.

Vom neuen Logistikzentrum "Böllinger Höfe" werden nun ganz Deutschland und das benachbarte Ausland beliefert.

Weitere neue Märkte kommen für uns hinzu, die Firmengruppe wird unter anderem mit den EILERS-WERKEN, HEYDA, Stewo aus der Schweiz, Almanacksförlaget in Schweden, der norwegischen Marke Almanakksforlaget, dem finnischen Ajasto und dem estnischen Kalenderspezialisten TIMER immer größer und internationaler.

 

 

 

1996 BRUNNEN Kalender
1985 EDV-Abteilung bei BRUNNEN

 

Und heute?

 

BRUNNEN als Kern der SCHNEIDER GRUPPE

 

 

Manchmal haben wir das Gefühl, dass die Welt ständig noch ein wenig komplizierter wird. Aber wir haben beschlossen, dass wir diesem Gefühl einfach unsere typische BRUNNEN Philosophie entgegensetzen: für Neues offen sein und trotzdem konstant gute Arbeit abliefern.

Mit Matthias und Jan Schneider arbeiten ein Urenkel und ein Ururenkel des Gründers Andreas Schneider als Geschäftsführer unseres Unternehmens. BRUNNEN ist das Kernstück der Schneider Gruppe geworden, die rund 800 Menschen beschäftigt. Die Gruppe stellt an drei deutschen und einem Schweizer Standort jedes Jahr Millionen Schulhefte, Kalender, Blöcke, Geschäfts- und Notizbücher sowie Geschenkpapiere her und erwirtschaftet damit einen Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro pro Jahr. In 50 Ländern werden mehr als 16.000 Kunden direkt betreut. Bis heute schreiben weltweit Menschen ihre Gedanken auf Papier mit dem weißen Brunnen auf rotem Grund, und darauf sind wir stolz.