Warum reden viele Menschen unsere Gegenwart schlecht? War früher wirklich alles besser? Das Leben schöner, die Liebe freier und die Lieder lustiger?

Das fragte der französische Philosoph Michel Serres im Jahr
2017 seine Leser. Er war 87 Jahre alt, und doch wandte er
sich voller Energie, Witz und Weisheit gegen alte und junge
Nörgler und bat die Jugend und die Junggebliebenen, sich die
und bricht aus schwerem Bangen,
denke ich an den bitteren Tod,
den Tag, die Nacht, den Morgen –
ach, welch angstvolle Pein! –
und ich weiß nicht, wohin meine arme Seele zieht.“[2]
Es dringen hier nicht nur Ängste um die Seele durch, sondern auch Furcht vor „der Pein“ des körperlichen Vergehens. Die moderne Medizin, so sie denn verfügbar ist, kann uns diese Ängste vor dem Grauen des körperlichen Vergehens weitgehend nehmen – und so gibt es gute Gründe, im Hier und Jetzt zuversichtlich zu sein.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan angesichts der Dauerkrisen rund um den Globus,
angesichts der Diktatoren, die ihre Nachbarn mit Krieg überziehen und im Innern jede Diskussion
mit Gewalt und Zwang ersticken. Und als wäre das nicht Herausforderung genug, müssen sich alle
Gesellschaften weltweit mit der digitalen Revolution 

Und noch eine große Herausforderung: Es wurde in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher, dass die Menschheit nicht weiter mit den Ressourcen so umgehen darf, wie sie es bisher getan hat, wenn sie am Überleben interessiert ist. Viele Hoffnungen, die in früheren Zeiten naiv mit dem technischen Fortschritt verbunden waren, entpuppten sich mindestens als zweischneidig. So fantasierte der marxistische Philosoph Ernst Bloch in seinem 1959 erschienenen Buch mit dem sprichwörtlich gewordenen Titel „Prinzip Hoffnung“, dass einige hundert Pfund Uranium ausreichen würden, die Sahara sowie die Wüste Gobi verschwinden zu lassen, Sibirien und Nordamerika, Grönland und die Antarktis zur Riviera zu verwandeln. Ähnlich verblasen waren auch die Erwartungen an die automobile Zukunft und die „autogerechte Stadt“, als man schlicht vergaß, dass alle Technik in erster Linie menschengerecht zu sein hat.
Widrigkeiten aller Art bedrängen uns aus der Ferne wie in der Nähe. Und die Frage ist, wie man angesichts der komplexen Konflikte einen kühlen Kopf bewahren kann und nicht verzweifelt und Zuflucht bei falschen Propheten sucht, die uns vorgaukeln, sie seien im Besitz einfacher und bequemer Lösungen. Damit ist schon klar, dass Zuversicht als einflussreicher Faktor nicht nur im Leben des Einzelnen, sondern für die Entwicklung des sozialen Zusammenlebens wirkt. Neurologen konnten vor einiger Zeit sogar den „Sitz des Optimismus“ im Hirn ermitteln.[3] Damit ist Zuversicht noch nicht neurochirurgisch ohne Weiteres herstellbar oder manipulierbar, immerhin hat die Medizin damit einen Ansatzpunkt. Ob das zuversichtlich stimmen sollte, sei dahingestellt: Alles kommt darauf an, wie die Menschheit politisch mit solchen Möglichkeiten umgeht. Dass mangelnde Zuversicht aber echtes Leiden verursacht und die Lebensfreude vertreibt, steht außer Frage. Zuversicht ist wie Licht: Es ist notwendig fürs Leben, kann aber auch blenden und verblenden.
Und noch eine große Herausforderung: Es wurde in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher, dass die Menschheit nicht weiter mit den Ressourcen so umgehen darf, wie sie es bisher getan hat, wenn sie am Überleben interessiert ist. Viele Hoffnungen, die in früheren Zeiten naiv mit dem technischen Fortschritt verbunden waren, entpuppten sich mindestens als zweischneidig. So fantasierte der marxistische Philosoph Ernst Bloch in seinem 1959 erschienenen Buch mit dem sprichwörtlich gewordenen Titel „Prinzip Hoffnung“, dass einige hundert Pfund Uranium ausreichen würden, die Sahara sowie die Wüste Gobi verschwinden zu lassen, Sibirien und Nordamerika, Grönland und die Antarktis zur Riviera zu verwandeln. Ähnlich verblasen waren auch die Erwartungen an die automobile Zukunft und die „autogerechte Stadt“, als man schlicht vergaß, dass alle Technik in erster Linie menschengerecht zu sein hat.
